Review: Museum Helveticum 66, 2009, pp258-259, by Lukas Thommen
Die Verbindung von Sparta und Krieg ist sowohl in antiken als auch in modernen
Bildern derart geiaufig und vertraut, dass die Forschung immer wieder gefordert
ist, sie kritisch zu hinterfragen. Das «Fifth International Sparta
Seminar», welches das bewahrte Herausgeber-Team Hodkinson/Powell im
September 2004 organisiert hatte, stand unter der Frage nach der gegenseitigen
Beeinflussung von Krieg und Gesellschaft. Der vorliegende Band ist dem Rahmen
entsprechend nicht als umfassende Einfiihrung in das Thema angelegt, sondern
stellt eine Sammlung eher zufalliger Einzelthemen dar. Diese sind aber allesamt
von ausgewiesenen Sparta-Spezialisten verfasst, bewegen sich auf hohem wissenschaftlichem
Niveau und entwickeln originelle Ideen, welche die Sparta-Forschung - trotz
einiger allzu verschlungener Pfade und Beweisfuhrungen - klar bereichern.
Weniger iiberraschend bzw. neu ist dabei das iibergeordnete Beweisziel, dass
die spartanische Gesellschaft nicht nur mili-tarisch ausgerichtet war, sondern
die Burger auch wesentliche zivile Aufgaben zu erfiillen hatten (S. Hodkinson).
Insgesamt gelingt in dem Band eine bessere Einstufung verschiedener spartanischer
Phanomene wie der im Krieg fehlbaren und daher gesellschaftlich geachteten
tresantes (J. Ducat), der gemein-schaftlich beerdigten und privat erinnerten
Gefallenen (P. Low) sowie der militarischen Elitetruppe der 300 hippeis (T.
Figueira). M. Lupi identifiziert eine der drei Abteilungen (Hundertschaften)
der hippeis plausibel mit der bei Herodot (9,53) genannten Pitanates lochos
~ womit auch die vermeint-liche Gliederung der spartanischen Armee nach den
fiinf Dorfabteilungen Spartas in Frage gestellt wird. Niitzlich sind ferner
die Beitrage iiber den politischen Einsatz von Verrat zur Sicherung der spartanischen
Vorherrschaft (F. Ruze), die topographischen Angaben zu den Fortifikationen
an den lakonischen Grenzen, die sich v.a. nach dem Verlust von Messenien aufdrangten
(aber kaum - wie von J. Christien vermutet - mit der Einfuhrung der krypteia
als staatlich organisiertem Terror einhergin-gen) und zu dem im ausgehenden
5Jh. v.Chr. einsetzenden Soldnerwesen, das Sparta voriibergehend stiitzte,
aber auch in den Niedergang begleitete (E. Millender; erganzt von N. Humbles
Uberlegungen zu Xenophons Sicht vom Verlust spartanischer Tapferkeit). Den
Abschluss bildet der Beitrag von A. Powell, der den Grund, warum Sparta in
den Jahren 404 und 403 v.Chr. das besiegte Athen von der Vernichtung verschonte,
in der Furcht vor der Verderbnis durch personliche Bereicherung erblickt, weitere
Griinde (gerade auch die Grosse Athens bzw. Attikas und seiner Burgerschaft)
dabei aber allzu weit in den Hintergrund treten lasst.
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